Juni 2026
Unsere Worte zum Pride Month
Der Wunsch, auf das stolz zu sein, wer man ist und wo man herkommt, ist zutiefst menschlich. Wir alle suchen nach Wurzeln, nach einer Identität und nach dem Gefühl, einer Gemeinschaft anzugehören, die uns Halt gibt. Diese Suche beginnt oft dort, wo wir aufgewachsen sind, in unserer Geschichte, in unserer Tradition und in den Gruppen, denen wir uns zugehörig fühlen.
Wir spüren das vielleicht am intensivsten in der Fußballkultur: Wenn wir im Stadion stehen, die Farben unseres Vereins tragen und Teil der Kurve sind, dann ist das ein Ausdruck von Stolz. Es ist das stolze Bekenntnis zu einer Gemeinschaft, die uns versteht, ohne dass wir viele Worte machen müssen. Dieser Stolz auf die eigene Herkunft und die eigene Identität ist ein mächtiger Anker in einer immer komplexeren Welt. Er gibt uns Sicherheit. Und genau dieses Bedürfnis ist vollkommen legitim – ganz egal, ob man sich über die Tradition seines Vereins, seine kulturelle Herkunft oder seine Familiengeschichte definiert. Wir alle brauchen ein „Wir“, um uns als Teil eines größeren Ganzen zu fühlen.
Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Stolz auf eine gewachsene Heimat und dem, was wir als „Pride“ bezeichnen. Pride ist historisch und psychologisch nicht aus einem Gefühl der Selbstverständlichkeit entstanden, sondern aus dem Schmerz der Ausgrenzung.
Wenn wir heute über Pride sprechen, dann denken die meisten zuerst an queere Menschen. Doch Pride hört dort nicht auf. Es ist ein Prinzip, das für jede Gruppe gilt, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird. Ob es Menschen mit Migrationsgeschichte sind, die sich ständig erklären müssen; ob es Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen sind, die im Alltag gegen Barrieren kämpfen; oder Menschen, die aufgrund ihres sozialen Status oder ihres Alters das Gefühl haben, nicht mehr „mitzuzählen“: Sie alle teilen eine schmerzhafte Erfahrung.
Die Psychologie lehrt uns, dass soziale Ausgrenzung im Gehirn dieselben Areale aktiviert wie physischer Schmerz. Wer systematisch signalisiert bekommt, dass er „nicht dazugehört“, leidet. Pride ist die Antwort auf diesen Schmerz. Es ist der öffentliche Akt zu sagen: „Ich bin hier, ich bin sichtbar, und meine Existenz ist genauso wertvoll wie deine.“
Oft wird heute ein Graben gezogen: Hier die „Traditionellen“, dort die „Queeren“ oder „Marginalisierten“. Doch dieser Graben ist künstlich. In Wahrheit suchen beide
Seiten dasselbe: Anerkennung für das, was sie ausmacht.
Das Problem entsteht nur dann, wenn wir unseren eigenen Stolz dazu nutzen, den anderen abzuwerten. Wenn wir anfangen zu sagen: „Mein Stolz ist der einzig richtige, und deiner ist eine Bedrohung.“
Wenn wir unsere Identität nur noch dadurch definieren, dass wir uns von anderen abgrenzen, dann verlieren wir alle.
Für marginalisierte Gruppen ist Pride lebensnotwendig, weil ihnen der Platz am Tisch oft verwehrt wurde. Sie müssen für ihre Sichtbarkeit kämpfen, weil sie sonst
schlichtweg unsichtbar gemacht werden. Wenn wir das verstehen, erkennen wir, dass Pride keine „Sonderbehandlung“ ist, sondern eine Korrektur gesellschaftlicher Ungleichheit.
Wir alle – egal ob wir zu einer Minderheit gehören oder nicht – tragen das Bedürfnis in uns, gewollt zu sein. Wenn wir uns diese Gemeinsamkeit bewusst machen, ändert sich die Perspektive: Wir müssen
uns nicht gegenseitig unseren Stolz absprechen.
Ein wahrhaft starker Mensch, eine wahrhaft starke Gemeinschaft, zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihren eigenen Stolz nicht als Mauer nutzt, sondern als Fundament, um auch anderen Raum zu geben. Echte Solidarität heißt nicht, dass wir alle gleich sein müssen. Es heißt, dass wir anerkennen, dass der Wunsch nach Zugehörigkeit und Würde das ist, was uns alle zutiefst verbindet.
Wenn wir also in diesem Monat über Pride sprechen, dann laden wir jeden ein, diesen Gedanken weiterzudenken. Es geht nicht darum, den eigenen Stolz aufzugeben oder die eigene Herkunft zu verleugnen. Es geht darum, zu verstehen, dass der Kampf gegen Ausgrenzung kein „Projekt für andere“ ist. Es ist ein Projekt für uns alle. Denn nur in einer Gesellschaft, in der niemand wegen seiner Identität oder Herkunft an den Rand gedrängt wird, kann sich jeder von uns wirklich frei und zugehörig fühlen.
Das ist die Lektion, die wir auch im Stadion lernen: Ein Verein ist nur so stark wie der Zusammenhalt seiner Mitglieder. Und eine Gesellschaft ist nur so stark wie die Freiheit, die sie jedem Einzelnen zugesteht.
Glück auf!
16. Mai 2026
Sichtbarkeit zeigen, Haltung beweisen: Die Regenbogenknappen beim CSD in Gelsenkirchen 2026
Was für ein emotionaler, kraftvoller und unvergesslicher Tag in unserer Stadt! Nachdem der Christopher Street Day im vergangenen Jahr aufgrund einer bitteren Sicherheitslage so kurzfristig abgesagt werden musste, war die Erleichterung und Vorfreude in diesem Mai greifbar. Für uns als Regenbogenknappen e. V. war von vornherein klar: Wir gehen nicht nur auf die Straße, wir setzen ein unübersehbares Zeichen für Toleranz, Vielfalt und echte Akzeptanz – im Fußball wie im echten Leben.
Nach der lautstarken Demo ging es für uns direkt auf dem Straßenfest weiter, wo wir in diesem Jahr mit einem eigenen Infostand vertreten waren! Der Stand war ein echter Blickfang: Neben unseren brandneuen Schals, bunten Aufklebern und weiteren Fanclub-Artikeln stand vor allem der inhaltliche Austausch im Fokus.
Wir haben die Plattform genutzt, um intensiv über unser Herzensprojekt „Safe-Space-Schalke“ aufzuklären. Uns ist es ein großes Anliegen, dass sich jeder im Stadion – unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität – absolut sicher und willkommen fühlt. Die Resonanz der Besucherinnen war überwältigend: Wir haben unglaublich viele tiefgründige Gespräche geführt, Fragen beantwortet und gemerkt, wie wichtig diese Arbeit nach wie vor ist.
Dieser CSD hat bewiesen, dass sich die queere Community im Revier nicht versteckt und dass die Regenbogenknappen eine feste, gestaltende Größe in Gelsenkirchen sind. Ein riesiges Dankeschön an alle, die uns am Stand besucht haben, und an das gesamte Team, das diesen Tag ehrenamtlich auf die Beine gestellt hat.
Wir sehen uns in der Bundesliga – und ganz sicher beim nächsten CSD!
Glück auf!
10. Mai 2026
Der Aufstieg ist GEschafft - die Regenbogenknappen auf großer Auswärtstour in Nürnberg
Der FC Schalke hat es! Der FC Schalke ist zurück in Liga 1! Da tat die sportliche 0:3 Niederlage am vorletzten Spieltag bei den Freunden in Nürnberg im ausverkauften Max-Morlock-Stadion überhaupt keinen Abbruch. Die Party war längst im vollen Gange - so auch auf unserer großen GEmeinsamen Saisonauswärtsfahrt ins Frankenland.
Schon am Vortag des SPiels fanden wir uns in Nürnberg ein und konnten uns bei bester Stimmung im nürnberger Nachtleben auf den Spieltag einstimmen.
Unser absolutes Highlight der Auswärtsfahrt abseits des Platzes war das Treffen mit unseren Freunden vom queeren Nürnberg-Fanclub „Norisbengel“, die uns am Spieltag schon gegen 17:00 Uhr zum GEmeinsamen Feiern empfangen haben. Bei gutem Essen und tollen GEsprächen verflog die Zeit wie im Flug.
Auch im Stadion erlebten wir eine atemberaubende Stimmung. Wir feierten ein Fußballfest mit einer tollen Choreografie zur Fanfreundschaft zwischen Schalke und dem FCN.
Nach dem Spiel ließen wir den Abend GEmeinsam mit den Norisbengeln im Biergarten ausklingen.
Ein riesiges, von Herzen kommendes Dankeschön geht an Daniel und Steffen von den Norisbengeln für die grandiose Organisation unseres Treffens. Solche Begegnungen zeigen, wie stark und bunt unsere GEmeinschaft ist!
Unsere Auswärtstour haben wir für euch in einem Video festgehalten:
Das Video zur Auswärtsfahrt findest du hier!
18. April 2026
Die Regenbogenknappen beim ersten queeren Fußballfanblock
Am 18.04.2026 reisten die Regenbogenknappen ins österreichische Ried um am ersten queeren Fußball-Fanblock anlässlich des WM-Qualifikationsspiels der Frauen zwischen Österreich und Deutschland teilzunehmen.
Hier gehts lang zu unserem Reisevlog auf YouTube
Wir danken dem Initiator und Organisator (Fußballfans gegen Homophobie Österreich e.V.) für die tolle Organisation, das Engagement und besonders für den tollen Tag!
31. März 2026
Unsere Medienvorständin erzählt was Sichtbarkeit für trans-Personen bedeutet
Heute ist der "International Transgender Day of Visibility". Ein Tag, der in bunten Grafiken oft wie ein Fest gefeiert wird. Doch als Medienvorständin der Regenbogenknappen und als trans-Frau weiß ich: Sichtbarkeit ist kein Glitzer. Sie ist ein Kampf.
Ich habe mich dazu entschieden, sichtbar zu sein. Ich nutze mein Gesicht, meinen Namen und meine Stimme in diesem Verein ganz bewusst. Aber ich tue das nicht für mich. Ich tue es als Schutzschild für all jene, die diese Wahl nicht haben. Denn ich weiß: Sichtbarkeit ist oft kein Mut, sondern ein Schicksal, das durch äußere Faktoren erzwungen wird.
Es gibt in unserer Community eine schmerzhafte Trennung. Da sind jene, die zu sich selbst finden, den Weg der Transition gehen und irgendwann das Leben als die Personen führen können, die sie sind, ohne dass irgendjemand noch besondere Notiz von ihnen nimmt.
Und da sind jene, die diesen Punkt nie erreichen oder noch weit davon entfernt sind. Wer erst spät im Leben die Freiheit fand, Transitionsschritte zu gehen, dessen Körper hat oft Merkmale geprägt, die sich nicht einfach wegwischen lassen. Knochenbau, Stimmlage oder Bartschatten werden zu Verrätern einer Geschichte, die man vielleicht gar nicht laut erzählen will.
Für diese Personen ist Sichtbarkeit kein stolzes Statement. Sie ist eine unausweichliche Realität. In jeder Sekunde, in jedem Blick in der Bahn, in jedem Moment am Stadioneinlass ist ihre Identität für Fremde präsent. Sie haben keine Wahl, als sichtbar zu sein. Sie stehen an einer Frontlinie, die sie sich nicht ausgesucht haben.
Es bedeutet, dass jeder banale Vorgang zur Mutprobe wird:
- Es ist das Zögern vor der öffentlichen TOilette, weil man die Blicke der anderen schon im Nacken spürt.
- Es ist das Vorzeigen des Ausweises beim Paketdienst, wenn der Name im System noch nicht zum Gesicht passt.
- Es ist der Moment am Stadioneinlass, wenn der Ordnungsdienst das Abtasten und damit den Zutritt zum Stadion verweigert.
- Es ist das permanente Scannen der Umgebung: "Hat mich jemand erkannt? Werde ich gerade ausgelacht? Bin ich hier sicher?"
Diese Menschen können ihre Identität nicht an der Garderobe abgeben. Sie tragen sie wie eine blinkende Leuchtreklame vor sich her, während sie eigentlich nur in Ruhe ihre Brötchen kaufen oder ihr Team im Stadion anfeuern möchten. Sichtbarkeit ist für sie kein Statement, sondern eine permanente Exponiertheit, die keine Pause kennt.
Die Wahrheit, die viele nicht hören wollen: Die wenigsten trans-Personen wollen sichtbar sein. Sie wollen einfach nur sie selbst sein. Sie wollen dass die Welt keine Notiz von ihrer Identität nimmt - außer der schlichten Tatsache, dass sie existieren. Als die Personen, die sie sind. Als Schalker:innen. Als Teil des alltäglichen Lebens. Als Teil der Fankultur.
Dass Sichtbarkeit heute noch Mut erfordert, ist ein Armutszeugnis. Es ist die Schuld einer Gesellschaft, die Normen so eng steckt, dass jeder, der nicht hineinpasst, automatisch zur Zielscheibe wird. Wir bestrafen Menschen für ihre Sichtbarkeit, die sie sich nicht ausgesucht haben, durch unsere Blicke, Anfeindungen und Ausgrenzungen für ihre "Andersartigkeit".
Ich stehe heute hier und mache mich sichtbar, damit andere es irgendwann nicht mehr müssen. Ich führe diesen Kampf als Vorständin, damit die Sichtbarkeit derer, die keine Wahl haben, nicht mehr mit Angst bezahlt werden muss.
Wahre Akzeptanz ist nicht, wenn wir eine Flagge hissen. Wahre Akzeptanz ist, wenn eine trans-Person im Stadion einfach nur Fan sein kann - ohne dass irgendjemand Notiz davon nimmt, wer sie ist, außer dass sie genau so laut für Schalke mitschreit wie alle anderen.
Glück Auf, Sophia - Vorständin für Medien und Kommunikation der Regenbogenknappen e.V.
26. März 2026
Früher Kampf um queere Sichtbarkeit
Queere Sichtbarkeit auf Schalke schon vor 29 Jahren! Zum Heimspiel gegen Hannover haben wir Michael kennengelernt, der mit seinem Ehemann in Berlin lebt und zu jedem Heimspiel des FC Schalke von dort nach Gelsenkirchen pendelt - größten Respekt für diese Leidenschaft!
Doch neben dieser Leidenschaft verkörpert Michael noch eine weitere Besonderheit. Bereits vor 29 Jahren - in dem Jahr, in dem Schalke den UEFA Cup aus dem San Siro in Mailand in den Ruhrpott entführte, schrieb Michael einen Artikel im Fanmagazin "Schalke Unser" über Homosexualität auf Schalke.
Im Gespräch hat Michal uns verraten, dass er seinen Artikel von damals heute mutiger und selbstbewusster schreiben würde. Dennoch handelt es sich um ein fantastisches Zeitdokument und mutige Pionierarbeit für queere Sichtbarkeit auf Schalke!
Vielen Dank, Michael, für deinen frühen Kampf für queere Sichtbarkeit!
13. März 2026
Die Regenbogenknappen im Radio auf 1LIVE
Fußball Am 13. März 2026 war unser Vorstandsvorsitzender - Tobias Lampe - im Rahmen eines Interviews und Radiobeitrags über die HBO Serie "Heated Rivalry" im Sektorradio auf 1LIVE zu hören. Du hast den Radiobeitrag verpasst? Macht nix! Wir haben mitgeschnitten!
25. Februar 2026
Die Regenbogenknappen im Schalker Mitgliedermagazin "Vereinsheim"
Quelle: https://app.schalke04.de/articles/01KJA498XSYGCWKPCRYA7GZRBN?locale=de
25. Januar 2026
Update Safe-Space-Schalke
Fußball in der Arena Auf Schalke soll für jeden sein. Leider müssen sichtbar queere Personen bei Besuchen von Fußballspielen in Sportstadien damit rechnen, dass sie
1. Anfeindungen und Ausgrenzungen ausgesetzt werden.
2. auf Situationen stoßen, die Hürden und stressige und unangenehme Momente für sie darstellen.
All das sind Gründe, welche queere Menschen dazu bewegen können, Fußballspiele in der Arena Auf Schalke nicht zu besuchen, obwohl die Fans und Mitglieder des FC Gelsenkirchen Schalke 04 e. V. sind.
Mit dem Projekt "Safe-Space-Schalke" starten wir Regenbogenknappe eine Initiative, mit der wir diese Probleme aufdecken, sichtbar machen und lösen möchten. Denn der Besuch eines Fußballspiels unseres FC Schalke soll von Freude und von positiven Emotionen geprägt sein und nicht von Angst und Stress. Die Arena auf Schalke muss ein Safespace für queere Personen werden!
Unterstützte unsere Arbeit und das Projekt "Safe-Space-Schalke" indem du an unserer Umfrage über den folgenden Link teilnimmst:
UMFRAGE BEENDET
Vielen Dank und Glück auf
Eure Regenbogenknappen
24. Januar 2026
Eine Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit
Auf Instagram wurden wir als Regenbogenknappen kürzlich mit folgender Nachricht kontaktiert:
„Hallo Sophia, dein aktuelles Engagement bzgl. der Regenbogenknappen finde ich toll. Allerdings frage ich mich, wie das damit zusammenpasst, dass du vor ein paar Jahren noch einem Freund von mir in Köln seinen FC Schal abziehen wolltest.“
Ich (Sophia, Vorständin der Regenbogenknappen) möchte diesen Kommentar nicht einfach so stehen lassen. Ich möchte ihn nutzen, um meinen Weg transparent zu machen. Denn diese Nachricht rührt an einen Teil meines Lebens, den ich lange hinter einer Maske verborgen habe – vor der Welt, aber oft auch vor mir selbst.
Um auf die Nachricht einzugehen, muss ich eine "Gepflogenheit“ innerhalb der organisierten Fankultur erklären. In diesen Kreisen gibt es ungeschriebene Gesetze und eine ganz eigene Symbolik. Viele Gruppen produzieren eigene Materialien, die ausschließlich an ihre Mitglieder verteilt werden.
Innerhalb dieser Kultur wird oft versucht, in den Besitz solcher Materialien von Gruppen anderer Vereine zu kommen. Bis vor einigen Jahren habe ich mich selbst als ein Teil dieser Welt gesehen und habe dieses Auftreten nach außen gelebt.
Eins ist mir dabei wichtig klarzustellen:
Auch wenn ich damals die Rolle des „harten Fans“ eingenommen habe, kam es nie dazu, dass ich tatsächlich einem Menschen körperlich geschadet habe. Auch in der im Kommentar erwähnten Situation ist niemand körperlich zu Schaden gekommen oder hat seinen Besitz verloren. Es blieb beim aggressiven Auftreten – aber dieses Auftreten allein war bereits Teil einer Identität, die nicht meine war.
Bei meiner Geburt wurde mir das männliche Geschlecht zugewiesen. Ich bin mit der Erwartungshaltung meiner Eltern, meiner Geschwister und meines Umfeldes aufgewachsen, genau dieser Rolle zu entsprechen. Kinder sind so gestrickt, dass sie diese Erwartungen unbedingt erfüllen wollen, um dazuzugehören. Also habe ich versucht, das Bild zu bedienen, das auf mich projiziert wurde.
Doch von meiner frühen Pubertät an bis zu meinem Outing mit 26 Jahren war mein Leben ein einziger, extremer innerer Kampf. Über ein Jahrzehnt lang habe ich verzweifelt versucht zu verstehen, wer ich eigentlich bin.
Meine engsten Freunde und Wegbegleiter aus dieser Zeit wissen das. Sie haben diesen jahrelangen Kampf miterlebt. Auch wenn ich nach außen oft anders wirkte, war die Zerrissenheit für die Menschen, die mir wirklich nahestanden, unübersehbar.
Wenn man einen Menschen dazu bringt, eine Rolle einzunehmen, die nicht seinem Wesen entspricht, passiert etwas Automatisches: Diese Person wird die Rolle extrem überperformen, um die eigene Unsicherheit zu kaschieren.
Genau das war mein Weg. Um die Weiblichkeit in mir zum Schweigen zu bringen, suchte ich mir extreme männliche Räume: Ich spielte American Football und wurde "Allesfahrer" für Schalke. Mein damaliges Auftreten – wie in Köln – war Teil dieser Maskerade. Ich wollte beweisen, dass ich einer der "harten Kerle" im Block bin, damit niemand meine wahren Gefühle dahinter vermutet. Dieses aggressive Gehabe war ein Schutzwall um mein wahres Ich.
In den letzten zwei Jahren vor meinem Outing ging es mir jedoch zunehmend schlechter. Die Maske wurde zur Last, die mich erdrückte. Ich war kaum noch fähig zu echter sozialer Interaktion. In Gruppen zog ich mich hinter mein Smartphone zurück oder versuchte, den Schmerz mit viel Alkohol zu betäuben.
Ich war emotional kaum noch existent. Wenn in der Arena ein Tor für Schalke fiel und tausende Menschen um mich herum in Ekstase jubelten, habe ich mitgejubelt. Aber nicht, weil ich euphorisch war – sondern weil ich wusste, dass es von mir erwartet wurde. Ich habe die Emotionen der anderen nur noch gespiegelt. Innerlich habe ich in diesen Momenten absolut gar nichts mehr gefühlt. Ich war ein Fremdkörper in meinem eigenen Leben.
Mit meinem Outing und dem Beginn meiner Transition änderte sich alles. Plötzlich war ich sichtbar trans – und die Arena fühlte sich plötzlich wie ein feindseliger Ort an. Ich spürte die ständige Angst vor Angriffen und empfand oft tiefe Scham. Mein damaliges Umfeld im Stadion konnte meine Situation nicht verstehen und war entsprechend nicht bereit, mich in dieser neuen Offenheit zu unterstützen. Deshalb habe ich vor fast drei Jahren einen harten Cut gemacht. Ich war seitdem in keinem einzigen Stadion mehr. Ich musste mich komplett zurückziehen, um mich auf meinen Weg zu konzentrieren und die Person zu werden, die ich wirklich bin.
Dass ich heute im Vorstand der Regenbogenknappen bin, ist die logische Konsequenz aus diesem schmerzhaften Weg. Ich kenne beide Seiten: Die Dynamik der organisierten Fankultur ebenso wie das Gefühl der totalen emotionalen Taubheit und Schutzlosigkeit.
Ich brauche keine Maske mehr und ich muss mich nicht mehr durch Aggression beweisen. Mein Ziel ist ein Schalke, auf dem niemand mehr diesen „harten Cut“ machen muss oder innerlich abstumpft, nur um dazuzugehören. Ich möchte, dass die Arena ein Ort wird, an dem Respekt und Vielfalt gelebt werden – damit jeder Fan wieder mit echtem, ehrlichem Herzen jubeln kann.
Glück auf, Sophia
07. Januar 2026
Startschuss des Projektes "Safespace Schalke"
20. Dezember 2025
Die Regenbogenknappen e.V. wählen auf ihrer Jahreshauptversammlung in Bochum ihren neuen Vorstand
07. September 2025
Teilnahme an der QFF Vollversammlung in Bradford
Vom 05.09.2025 bis zum 07.09.2025 fand in Bradford die Vollversammlung des Netzwerk der Schwul-Lesbischen Fußball Fanclubs (QFF) statt - Die Regenbogenknappen waren dabei. Hier ein Bericht unseres Vorstandsmitgliedes Lars Hilsmann - Bradford - Lars Hilsmann | story.one
Martin aus meinem Fanclub kam mal wieder mit einer besonderen Idee auf mich zu: “Hättest du Lust, mit mir nach Bradford zum QFF-Treffen zu fliegen?“ Bradford? Wo ist das überhaupt? Wenigstens wusste ich schon, dass QFF die Abkürzung für Queer Football Fanclubs ist. Vor 2 Jahren kam eine ähnliche Anfrage von Martin, als wir eine Stadiontour durch Manchester und Liverpool gemacht haben. Es sollte England bleiben, dieses Mal halt Bradford.
Eine Reise nach England ist mittlerweile mit deutlich mehr Aufwand verbunden als vor dem Brexit. Ich musste einen neuen Reisepass und ETA (Visum) beantragen. Dieses Mal wusste ich aber früh genug Bescheid, um mich um alles zu kümmern. Letzte Woche Freitag war es dann soweit. Der Wecker stand auf 3:30 Uhr. Es ging zum Bremer Flughafen, um mich dann mit Martin in Amsterdam zu treffen. Er kommt aus Heilbronn in Baden-Württemberg. Die Mitte von Bremen und Heilbronn ist natürlich Amsterdam! Von da aus ging es weiter nach Bradford. Der erste Programmpunkt war für 16 Uhr angedacht, weswegen wir noch Zeit hatten, uns die Stadt anzugucken. Nachdem wir unseren Fanschal ausgepackt hatten, wurden wir direkt freundlich angesprochen. Tatsächlich ist Bradford dieses Jahr auch die Kulturhauptstadt von UK, weswegen alles noch gastfreundlicher wirkte.
Nach einem dringend notwendigen Mittagsschlaf ging es in die Hotellobby, wo alle schon warteten. Wir wurden auf Englisch begrüßt, in der Sprache ich mich nicht so sattelfest fühle. Ich verstehe zwar fast alles, aber tue mich mit dem Sprechen schwer. Es begann mit einer Stadtführung von Lindsay, die die Planung für das Wochenende übernommen hatte. Bradford hatte sogar Handelsbeziehungen zu Hamm, aus deren Nähe ich ursprünglich komme! Abends ging es dann noch in ein neues Einkaufscenter mit Empfangsgetränken und Livemusik von Ian Bareham, einem wirklich guten Musiker! Der Tag wurde mit einem Theaterstück abgeschlossen, wo auch der Insider “Raise your glass, clap your hands, move your body“ entstanden ist.
Am nächsten Tag stand die eigentliche QFF-Tagung an, wo alle Fanclubs ihre Aktivitäten aus dem letzten Jahr vorgestellt haben und die Wahlen für den Sprecherrat stattfanden. Ein Highlight war das Bewerbungsvideo von Simon, das auch bei der Punktevergabe des Eurovision Songcontest hätte laufen können. Ein weiteres Highlight war das Abendprogramm, als wir in eine Bar gegangen sind, die in den Tunneln von Bradford liegt. Hier warteten bereits singende Drag Queens auf uns. Leider verabschiedete sich die eine recht schnell, aber die andere spielte den DJ und führte uns nach Schließung der Bar noch ein bisschen durch das Nachtleben von Bradford.
Nach 3 ½ Stunden Schlaf klingelte dann schon wieder der Wecker für die Heimreise. Es war aber mal wieder ein unvergessliches Wochenende, das ich vor allem Martin, aber auch dem QFF und Lindsay zu verdanken habe. Vielen Dank! Nächstes Jahr findet das QFF-Treffen in Köln statt, aber mit Martin soll es noch mal zu einer Stadiontour durch London kommen. Ich bin gespannt!
© Lars Hilsmann 2025-09-08
05. Juli 2025
Die Regenbogenknappen bei 1LIVE
10. September 2024
Die Regenbogenknappen beim B2Run auf Schalke
15. März 2024
Diskriminierungssensible Stadionführung auf Schalke
24. Februar 2023
Unser Mitglied - Lars Hilsmann - gibt seinen Debütroman
13. August 2022
Saisoneröffnung mit den Regenbogenknappen auf Schalke
07. August 2019
Stellungnahme der RegenbogenKnappen e.V.
zu den Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Schalke 04, Clemens Tönnies, am 01. August 2018 in Paderborn
29. Juni 2019
Mitgliederversammlung
Neben interessanten Berichten aus den Verschiedenen Resorts wurde u.a. ein neuer Vorstand gewählt. Michael, Jörg, Stephan, Ivon und Martin bilden demnach den neuen Vorstand. Unterstützt wird dieser von Natalie, die als Beauftragte im Bereich “Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit" zusätzliche Kompetenzen einbringt. Wir freuen uns auf das neue Geschäftsjahr und die neue Saison!
30. April 2018
Laut gegen rechts!
Wir stellen uns gegen rassistisches und faschistisches Gedankengut, ob in den Parlamenten oder auf den Straßen, am rechten Rand und in der Mitte der Gesellschaft. Wir grenzen niemanden aufgrund von Religion, Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Orientierung, ethnischer Herkunft oder anderen Merkmalen aus. In unserer Gesellschaft sollen sich viele verschiedene Menschen zusammenfinden. Es soll zusammen gespielt, gegessen, diskutiert und demonstriert werden.
Wir gehen auf die Straße, wenn rechte Parteien gegen Ausländer hetzen. Wir beziehen Stellung, wenn antisemitische oder anti-islamische Parolen geschwungen werden. Zusammenkommen, zusammenleben, sich verstehen lernen, für einander einstehen, sich mit anderen zusammen tun. Für ein demokratisches, solidarisches und buntes Miteinander in Gelsenkirchen und überall auf der ganzen Welt.
Umsonst und Draußen.
Am 30. April von 18:00 bis 22:00 Uhr auf dem Neumarkt in Gelsenkirchen.
19. April 2018
Launch der Homepage
Heute ist es soweit! Am 19.04.2018 um 19:04 Uhr geht unsere Homepage online! Viel Spaß beim Surfen!
07. Oktober 2017
Offiziell Mitglied bei QFF!
Seit heute, um kurz vor 12, sind wir im Signal-Iduna-Park(!) offiziell als Mitglied beim LGBT-Netzwerk QFF - Queer Football Fanclubs aufgenommen worden!
02. Oktober 2017
Trauung Holger & Jörg
Heute war für uns RegenbogenKnappen ein besonderer Tag! Unsere Mitglieder Holger und Jörg haben sich heute (wieder) das Ja-Wort gegeben und sind nun auch offiziell ein Ehepaar. Standesbeamter war niemand anderes als Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski.
02. September 2017
Come-Together-Cup auf Schalke
Im Vordergrund stand die Idee "ein sichtbares Zeichen [...] für Toleranz [zu setzen]" - ein Motto, für das wir ebenfalls stehen, nämlich ein offenes, tolerantes und friedliches Miteinander in einer bunten Gesellschaft!
Nachdem wir den Fun-Pokal für die "Schwimmenste Abwehr" überreicht bekamen (ein großes Dankeschön an dieser Stelle ;-) ), schafften wir es tatsächlich als 04. der Gruppe D in das Achtelfinale, wo wir uns gegen starke Alte Teutonen geschlagen geben mussten.
An dieser Stelle auch ein dickes Dankeschön an ALLE Teilnehmer und Organisatoren des Come-Together-Cups, besonders natürlich an Andreas Stiene und die Sieger, FC Klabusterbeeren. Emotionales Highlight des Turniers war außerdem der "Moment of Silence"!